Wie wäre es, wenn wir schicke Mode und Accessoires shoppen könnten, ohne ein schlechtes Gewissen, gegenüber Mensch oder Tier zu haben? Nachhaltig und vegan muss nicht immer gleich Ökostyle, Verzicht oder das Loch im Geldbeutel bedeuten, das haben wir bei Rahel von Veganista gelernt. 

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Schräg gegenüber der alten Pinakothek findet man dieses kleine feine Lädchen mit seiner sympathischen Inhaberin. Unter anderem haben wir dort Einhorn Sneaker und Taschen von Matt & Nat entdeckt, und das ist nur ein kleiner Teil der breitgefächerten Auswahl. Da auch wir versuchen umzudenken, und in die Richtung der fairen Modewelt zu gehen, hat Rahel uns ein paar brennende Fragen zu dem Thema beantwortet.

Veganista

Rahel, was war für Dich der Auslöser, vegan zu leben bzw. nur noch Fairtrade, Bio und vegane Mode zu kaufen bzw. zu verkaufen?

Vegan bin ich geworden, weil ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann, dass andere Erdbewohner für meinen Konsum ausgebeutet werden. Die Bilder von gequälten Menschen und anderen Tieren bereiten mir Wut und Trauer – und ich möchte auf meine Weise etwas tun, das gegen diese Ungerechtigkeiten und Ausbeutung ein Zeichen setzt. Es gibt Alternativen – wir müssen sie nutzen!

Hast Du einen Tipp, wie man den „Absprung“ von den großen Ladenketten zu den veganen Marken schafft?

Vielleicht – das gilt zumindest für mich so – sollte man versuchen aufzuhören, Ausreden vor sich selbst zu erfinden, warum man jetzt nicht die Konsequenzen aus dem zieht, was man eigentlich schon lange weiß. Insgeheim wissen glaube ich sehr viele Menschen, was richtig wäre (gerade in Bezug auf unseren Umgang mit anderen Tieren), aber handeln nicht danach. Insofern mein Tipp: Ausreden weg und vegane Alternativen ausprobieren! Und was den Aspekt „weg von den großen Ketten und der Wegwerfmentalität“ angeht, da kann man sich getrost von der Fashionikone Vivienne Westwood inspirieren lassen, die sagt: „buy less, choose well, make it last“.

Für uns als Neuling, gibt es eine bestimmte Kennzeichnung an welcher ich vegane, fairtrade gehandelte Mode erkennen kann?

Ein sicheres Indiz für vegane Kleidungsstücke oder Accessoires ist das „PETA-Approved Vegan“-Logo. Dieses Siegel können Modefirmen kostenlos bei der Tierrechtsorganisation PETA anfragen, um damit vegane Artikel in ihrer Kollektion oder auch die gesamte Kollektion zu kennzeichnen. Sie müssen dabei sicherstellen, dass die jeweiligen Produkte keinerlei tierische Bestandteile enthalten (d.h. weder Pelz, Leder noch Wolle, Daunen, Seide, Horn- oder Perlmuttknöpfe oder Knochenleim, z.B. als Kleber bei Schuhen).

Das PETA-Siegel legt den Fokus also auf eine Herstellung ohne Tierleid. Alle mir bekannten Modefirmen, die dieses Zertifikat verwenden, garantieren zudem auch eine menschen- und umweltfreundliche Produktion. Das ist nur logisch. Denn schließlich sind wir alle Tiere, die in Würde leben möchten und Umweltverschmutzung und -ausbeutung schadet am Ende allen Erdenbewohnern…

Neben dem PETA-Zertifikat gibt es zwei weitere Siegel, denen man vertrauen kann, wenn es um umweltfreundliche und sozial gerechte Produktionsbedingungen geht. Zum einen das bekannte Fair-Trade-Siegel für Baumwollprodukte. Es garantiert den Baumwollbauern faire Arbeitsbedingungen und Mindestpreise für ihre Baumwolle. Für Bioanbau gibt es Zuschläge. Der Einsatz von synthetischen Pestiziden und Düngern ist eingeschränkt, Gentechnik verboten. Mit dem Fairtrade-Siegel versehene Textilien müssen zu 100% aus Fairtrade-zertifizierter Baumwolle bestehen. 

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Das hierzulande bekannteste Zertifikat für fair gehandelte und umweltfreundliche Mode ist das GOTS-Siegel. Es ist für Naturfaser-Textilien und einige Recycling-Fasern gültig. Die festgelegten Kriterien für faire Arbeitsbedingungen und ökologische Standards müssen in der gesamten Produktionskette eingehalten werden, vom Rohstoffanbau bis zum Endprodukt, und ihre Umsetzung wird laufend unabhängig kontrolliert.

Welches Basic Kleidungsstück aus Deinem Laden, muss man unbedingt haben und warum?

Es ist ja so, dass bei den meisten von uns der Kleiderschrank eh schon überquillt, von daher ist „unbedingt“ vielleicht das falsche Wort 🙂 Dennoch könnten ein Paar coole Sneaker von Ethletic eine wirklich lohnende Investition sein. Alle Schuhe von Ethletic sind vegan, d.h. bei der Herstellung werden keinerlei tierliche Fette, Klebstoffe oder Farbstoffe eingesetzt. Die verarbeitete Biobaumwolle ist GOTS und Fairtrade zertifiziert. Die Naturkautschuksohlen tragen das FSC®-Siegel für vorbildliche, nachhaltige Bewirtschaftung von Waldflächen und Plantagen sowie für die Einhaltung von internationalen Sozialstandards für die Mitarbeiter. Einige Modelle erinnern an den bekannten und beliebten Basketball-Klassiker mit dem Stern. Zeitlos und lässig ist aber jeder Ethletic-Schuh eine gute Wahl, die man mit gutem Gewissen zu vielen Anlässen tragen kann.

Mit den Einhorn Sneaker im Schaufenster, hast Du einen absoluten Trendsetter, und beweist, dass vegan Fashion keinesfalls einen Öko Touch haben muss. Findet man bei Dir auch schicke vegane Schuhe für festlichere Anlässe oder den Job?

Generell versuche ich Kleidungsstücke anzubieten, die für viele Anlässe geeignet sind, d.h. die man oft und gerne tragen möchte, denn auch das bedeutet für mich Nachhaltigkeit. Insofern wird man meist eher Klassiker hier finden, d.h. schwarze Pumps oder Ballerinas fürs Büro sowie vielseitge, alltagserprobte Sandalen, Stiefel oder Sneaker. Daneben gibt es eine kleine Auswahl an besonderen Schuh-Highlights für besondere Anlässe – diese kommen meist vom britischen Label „Beyond Skin“. Sie sind vegane Schuhliebe auf den ersten Blick und das Gegenteil von spaßbefreitem Verzicht!

Wir finden die Matt & Nat Taschen und Geldbeutel stylish sowie funktionell, und sogar eine süße kleine Pastell fliederfarbene haben wir entdeckt, ein super Sommer Accessoire! Woraus werden die Taschen gefertigt?

Die Taschen von Matt & Nat bestehen aus jeweils zwei Komponenten: dem Obermaterial und dem Futter. Das Futter ist generell bei allen Taschen aus recyceltem PET (aus recycelten Plastikflaschen). Das Obermaterial kann variieren: Ein Teil der Kollektion ist komplett aus recyceltem PET hergestellt, ein Teil hat Kork als Obermaterial, daneben werden die Kunststoffe PU und PVC als Obermaterialien verarbeitet. Gelegentlich werde ich gefragt, ob Kunststoff denn nun eine tolle Alternative zu Leder sei. Dazu würde ich sagen: Wenn man sich ansieht, unter welch grausamen und umweltverschmutzenden Bedingungen Leder hergestellt wird (z.B. Gerben mit giftigen Chemikalien), ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Sicher sind Kunststoffe nur eine Möglichkeit, um Leder zu ersetzen. Daneben gibt es innovative Materialien wie z.B. Pinatex, ein komplett natürliches, robustes Lederimitat, das in einem umweltfreundlichen Verfahren aus den Blättern von Ananasstauden hergestellt wird und kompostierbar ist.

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Wie oft wechseln die Kollektionen bei Dir im Laden?

Die meisten Fair-Fashion-Labels sind eher kleinere Unternehmen, die mit Weitblick jeweils zwei größere Kollektionen pro Jahr produzieren: Frühjahr/Sommer bzw. Herbst/Winter. Sie planen längere Produktionszeiten ein als die sogenannten „Fast-Fashion-Anbieter“ und haben langfristige Verträge mit ihren Herstellern. Teilweise schießen sie sogar die Produktionskosten vor. Diese Methode der slow-fashion ermöglicht den Produzenten geregelte, faire Arbeitszeiten – denn es muss nicht von jetzt auf gleich in Überstunden oder bei dubiosen Subunternehmern das kurzlebige It-Piece hergestellt werden. Grob gesagt, gibt es hier also nicht täglich haufenweise neue Styles (wie bei manch großer Kette). Dafür wird man Basics in toller Bioqualität hier das ganze Jahr über finden und dazu immer wieder schöne neue Ergänzungen, die die Garderobe daheim und obendrein die Laune auffrischen.

Gibt es bei Veganista auch Mode für Herren?

Ja, wir haben auch eine kleine Ecke mit ausgewählten Styles für Herren.

Im Vergleich zu großen Ladenketten hat man auf den ersten Blick den Eindruck, dass man mehr ausgeben muss, um etwas stylische Mode zu ergattern. Ist das tatsächlich so und was spricht dafür, etwas mehr zu investieren?

Wenn man sich einmal vor Augen geführt hat, wie aufwändig allein die Herstellung eines simplen T-Shirts ist, dann wird man sich schnell wundern, zu welch absurden Dumpingpreisen Kleidungsstücke mancherorts vertickt werden… Jemand muss die Baumwolle anpflanzen, pflegen und ernten, jemand muss sie säubern und zu Garn verarbeiten, jemand muss sie zu einem Stoff stricken oder weben, jemand muss diesen färben, jemand muss einen Schnitt anfertigen, jemand muss das Shirt nähen, es muss verpackt werden etc. Hinter jedem Schritt stecken Menschen, die hart arbeiten und einen gerechten Lohn und faire Arbeitsbedingungen verdient haben. Faire Mode ist also nicht teuer, sondern unfaire zu billig. Abgesehen davon höre ich oft erstaunte Kund*innen, die mir sagen: „aber die Sachen sind ja gar nicht teurer als manche Markenprodukte“. Das liegt daran, dass die Fair-Fashion-Labels auf aufwändige Werbekampagnen verzichten und niemand an der Spitze versucht, sich auf Kosten anderer unfair zu bereichern. Es spricht aber nicht nur die Fairness dafür, fair gehandelte bio-vegane Kleidung zu kaufen. Die Sachen sind sehr gut verarbeitet, aus toller Qualität, langlebig und nicht giftig gefärbt oder imprägniert. Das zahlt sich auf lange Sicht aus, für die Gesundheit, für uns alle hier auf der Erde und – wenn man sich an Frau Westwoods Motto hält – auch für den Geldbeutel!

Vielen Dank für Deine offenen Worte Rahel! Wir sind schon gespannt, was wir bei unserem nächsten Besuch entdecken.

Veganista
Barer Straße 36
http://www.veganista-muc.de

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